{"id":170,"date":"2019-03-07T18:23:27","date_gmt":"2019-03-07T18:23:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stabhoch.ch\/?page_id=170"},"modified":"2020-09-19T21:42:02","modified_gmt":"2020-09-19T21:42:02","slug":"staebe-irrungen-und-wirrungen-teil-2","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.stabhoch.ch\/?page_id=170","title":{"rendered":"Die Wahl des Stabes \u2013 Irrungen und Wirrungen   Teil 2 &#8211; Gewichtsangabe und &#8222;Flex&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die Gewichtsangabe auf dem Stab ist eine Zahl, die sich auf das K\u00f6rpergewicht bezieht, f\u00fcr Europ\u00e4er in Kilogramm und f\u00fcr Amerikaner in Pfund. Zun\u00e4chst ist festzustellen, der Stab ist nicht so schwer wie da draufsteht, gl\u00fccklicherweise.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20190305_191937-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-152\" width=\"512\" height=\"288\" srcset=\"http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20190305_191937-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20190305_191937-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20190305_191937-768x432.jpg 768w, http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/20190305_191937-1920x1080.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Stab der Marke UCS\/Spirit: Gewichtsangabe 75kg bzw. 165 Pfund<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Auf St\u00e4ben finden sich Angaben in Kilogramm wie 59, 61, 63, 68, 70, 73 usw. bzw. in Pfund z.B. 125, 130, 135, 140, 145. Daraus wird ersichtlich, dass wiederum die Amerikaner den Takt vorgeben, mit 5 Pfund-Abstufungen, w\u00e4hrend in Kilogramm mal auf- mal abgerundet wird, und man 2kg- und 3kg-Schritte wiederfindet. Nat\u00fcrlich w\u00e4ren das immer gleich grosse Schritte. Spielt aber keine so grosse Rolle, wie ihr gleich feststellen werdet.<\/p>\n<p><strong>Was sagt diese Gewichtsangabe denn \u00fcberhaupt aus?<\/strong><\/p>\n<p>Ziemlich wenig, aber genug f\u00fcr einen Einstieg. Zun\u00e4chst es geht dabei um eine Aussage zum H\u00e4rtegrad des Stabes, also wie leicht oder schwer sich ein Stab biegen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Diese Gewichtsangabe hat einen Sicherheitsaspekt im Blick und eine Orientierungsfunktion. Zum Sicherheitsaspekt ganz am Ende des Beitrags.<\/p>\n<p>Die Orientierungsfunktion besteht darin, dass man z.B. als 73kg schwere Person annehmen kann, dass man mit einem Stab, auf dem man die Angabe 73kg oder etwas in der N\u00e4he davon (70kg, 75kg) finden, nicht grunds\u00e4tzlich falsch liegt. Diese Aussage ist aber bereits sehr gewagt, denn Stabhochsprung ist so komplex, dass man einen Stab tats\u00e4chlich nicht einfach nach dem Gewicht ausw\u00e4hlen kann, wie man eine Skibindung tats\u00e4chlich schon eher nach dem K\u00f6rpergewicht einstellen kann. Ich kann mit einem Gewicht von 73kg, z.B. durchaus ansehnliche Spr\u00fcnge aus einem sehr kurzen Anlauf mit einem Stab 460\/70kg machen, w\u00e4hrend ich mich mit einem l\u00e4ngeren Anlauf tunlichst nicht an einen Stab 400\/77kg h\u00e4ngen sollte, der w\u00fcrde dann n\u00e4mlich vermutlich zerbrechen. Das erstaunt nun den Laien, scheint doch der 400\/77kg mit Blick auf die Kilogrammangabe v\u00f6llig in Ordnung, liegt er doch klar \u00fcber meinem K\u00f6rpergewicht.\u00a0<\/p>\n<p>Damit hat es auf sich, dass sich das Niveau mit der Stabl\u00e4nge verschiebt. Ein 400\/70kg ist immer weicher als ein 430\/70kg und dieser wiederum als ein 460\/70kg. Man geht also bei dieser Gewichtsangabe davon aus, dass Anf\u00e4nger (M\u00e4nner) eher an einem 4.00m-Stab herumturnen, w\u00e4hrend dies Fortgeschrittene eher an einem 4.60m-Stab tun. Deshalb sind l\u00e4ngere St\u00e4be mit einer bestimmten Gewichtsangabe immer h\u00e4rter als k\u00fcrzere St\u00e4be mit derselben Gewichtsangabe.<\/p>\n<p>Die Differenz, also wann zwei St\u00e4be unterschiedlicher L\u00e4nge in etwa gleich hart sind, betr\u00e4gt etwa 7-8kg f\u00fcr einen 30cm-Schritt, also ein 430\/75kg ist vom H\u00e4rtegrad etwa zu vergleichen mit einem 460\/68kg oder ein 400\/70kg mit einem 430\/63kg. Bei einem Schritt von 15cm in der L\u00e4nge sind es grob 3.5-4kg, also ein 430\/75 ist \u00e4hnlich einem 445\/73, dieser wiederum \u00e4hnlich einem 460\/68kg.<\/p>\n<p><strong>Wie kommen die Hersteller zu diesen Gewichtsangaben?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Frage kann ich nicht vollst\u00e4ndig beantworten, aber ich vermute Erfahrungswerte dahinter, vermutlich auch etwas Mathematik.<\/p>\n<p>Wie werden diese Gewichtsangaben ermittelt, wie kommt ein Hersteller zur Feststellung: Das ist ein Stab f\u00fcr 82kg?<\/p>\n<p>Das macht der Hersteller so: Er misst das Durchbiegen des Stabes, wenn er 50 Pfund in der Mitte des Stabes aufh\u00e4ngt (es sind dazu noch viele Details zu beachten, die ich euch aber hier erspare). Die Abweichung in Zentimeter, wenn der Stab mit diesen 50 Pfund durchgebogen wird, gegen\u00fcber dem Normal-Zustand (also wenn der Stab nicht gebogen wird), ist die sogenannte Flex-Zahl.<\/p>\n<p>Durchbiegung bei Belastung mit 50 Pfund in Zentimeter gemessen = Flex-Zahl.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG-20190108-WA0013-1024x497.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-140\" width=\"512\" height=\"249\" srcset=\"http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG-20190108-WA0013-1024x497.jpg 1024w, http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG-20190108-WA0013-300x146.jpg 300w, http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG-20190108-WA0013-768x373.jpg 768w, http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/IMG-20190108-WA0013.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Messung der Durchbiegung eines Stabes bei Belastung mit 50 Pfund in der Garage meiner Eltern.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Wenn ich einen Stab mit der Flex-Zahl 16.8 vor mir habe, heisst das, dieser Stab 16.8 Zentimeter durchbiegt, wenn ich 50 Pfund daran h\u00e4nge (siehe Foto). Das ist z.B. bei St\u00e4ben der Marke UCS\/Spirit bei einem 4.60m\/80kg Stab der Fall, bezeichnet mit 460\/80, 16.8. Wie man von den 16.8 Zentimeter der Flex-Zahl auf die 80kg der Gewichtsangabe kommt, das ist, was mir eben nicht bekannt ist, spielt aber weiter keine Rolle. <\/p>\n<p>Nehmen wir noch einmal das Beispiel des 460\/80 Flex 16.8. Nun fragst du dich vielleicht, ab wann ist es denn der n\u00e4chst h\u00e4rtere Stab, der Stab f\u00fcr 82kg oder der n\u00e4chst weichere, der f\u00fcr 77kg?<\/p>\n<p>Das geht so: Die Gewichtsangaben decken immer einen gewissen Bereich ab, z.B. St\u00e4be der Marke ucs\/spirit der L\u00e4nge 4.60m mit einer Durchbiegung von 16.5 bis 15.5 Zentimeter werden mit 82kg beschriftet. Ist der Stab nur ein bisschen h\u00e4rter, biegt sich also 15.4 Zentimeter durch (1mm weniger!), wird er mit 84kg beschriftet, ist er weicher, biegt er sich 16.6 Zentimeter durch, wird er mit 80kg beschriftet.<\/p>\n<p>Als Faustregel: Die Kilogrammzahl \u00e4ndert pro Zentimeter, den sich der Stab mehr oder weniger durchbiegt. D.h. z.B. St\u00e4be mit den Flex-Zahlen von 19.0 bis 19.9 werden mit derselben Gewichtsangabe versehen, dann von 20.0 bis 20.9 die n\u00e4chst weichere Gewichtsangabe, dann 21.0 bis 21.9 usw. Das stimmt nicht immer, aber meistens. Es gibt also z.B. 10 verschiedene St\u00e4be, die alle mit 73kg angeschrieben sind. Das ist kein T\u00e4uschungsman\u00f6ver, sondern zeigt, <strong>es kommt einzig auf den Flex an<\/strong>.\u00a0<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BildErkl\u00e4rungDurchbiegungFlex-1-1024x462.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"462\" src=\"http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BildErkl\u00e4rungDurchbiegungFlex-1-1024x462.jpg\" alt=\"\" data-id=\"173\" data-link=\"http:\/\/www.stabhoch.ch\/?attachment_id=173\" class=\"wp-image-173\" srcset=\"http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BildErkl\u00e4rungDurchbiegungFlex-1-1024x462.jpg 1024w, http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BildErkl\u00e4rungDurchbiegungFlex-1-300x135.jpg 300w, http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BildErkl\u00e4rungDurchbiegungFlex-1-768x347.jpg 768w, http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BildErkl\u00e4rungDurchbiegungFlex-1.jpg 1245w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n<p>Jetzt merkt der eine oder andere schon: Moment! Dann kann ich ja zwei St\u00e4be kaufen, die zwar unterschiedliche Gewichtsangaben haben, z.B. 70kg und 73kg, die aber praktisch gleich hart sind, z.B. ein Stab f\u00fcr 70kg mit der Flex-Zahl 19.1 und ein Stab f\u00fcr 73kg mit der Flex-Zahl 18.9. Richtig!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BildErkl\u00e4rungFlex.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-171\" width=\"281\" height=\"448\" srcset=\"http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BildErkl\u00e4rungFlex.jpg 375w, http:\/\/www.stabhoch.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BildErkl\u00e4rungFlex-188x300.jpg 188w\" sizes=\"(max-width: 281px) 100vw, 281px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Und deshalb sollte jeder Stabspringer und jeder Trainer dieses Prinzip der Flex-Zahl verstehen, nicht nur der Profi, sondern auch der Fortgeschrittene, der Mehrk\u00e4mpfer und der ambitionierte Anf\u00e4nger. Man kann viel Geld aus dem Fenster werfen, wenn man St\u00e4be nur nach der Gewichtsangabe kauft. Es kann sein, das der effektive Unterschied in der H\u00e4rte zwischen zwei St\u00e4ben mit aufeinanderfolgender Gewichtszahl (z.B. 75kg und 77kg) maximal oder minimal ist, das eine (maximale Differenz zwischen z.B. einem 75kg Stab mit dem weichest m\u00f6glichen Flex und einem 77kg mit dem h\u00e4rtest m\u00f6glichen Flex) ist hochgef\u00e4hrlich, das andere (ein 75kg Stab und ein 77kg, deren Flex sich nur um 0.1 unterscheidet) ist ein teurer Luxus und kann Athlet wie Trainer verwirren, weil sie keinen Unterschied feststellen k\u00f6nnen beim Springen, obwohl doch der Athlet auf einen Stab mit h\u00f6herer Gewichtsangabe gewechselt hat. Vermeintlich eben, <strong>es kommt nur und einzig und allein auf die Flex-Zahl an.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man also St\u00e4be kauft, muss man sich sofort fragen, welchen Flex haben die St\u00e4be, die ich schon habe, und welchen Flex haben die St\u00e4be, die ich noch kaufen will. Andernfalls kauft man auf gut Gl\u00fcck und dass ist bei St\u00fcckpreisen zwischen CHF 800.\u2013 und CHF 1\u2018100.\u2013 kaum ein vorteilhafter Weg.<\/p>\n<p>Hinzu kommt der Eingangs erw\u00e4hnte <strong>Sicherheitsaspekt<\/strong>, dass Trainer und Athlet wissen sollten, wie gross der Unterschied zwischen z.B. einem 430\/68kg und einem 430\/70kg tats\u00e4chlich ist. Ist er nur 0.2 oder ganze 1.8?<\/p>\n<p>Dieses Wissen ist eigentlich lebenswichtig (bzw. f\u00fcr den Athleten im wahrsten Sinne des Wortes \u00fcberlebenswichtig). Dass dieses Wissen nur wenige haben &#8211; was dieser Bericht \u00e4ndern soll &#8211; , zeigt nicht, dass es auch ohne funktioniert, das Niveau der Athleten in der Schweiz beweist eher das Gegenteil.<\/p>\n<p>F\u00fcr fast alles gibt es Bef\u00e4higungspr\u00fcfungen. Autofahren, Tauchen, Rechtsanw\u00e4lte etc. F\u00fcr Stabhochsprung, dass ich minimal gef\u00e4hrlicher erachte als anderes im Leben, wof\u00fcr man eine Pr\u00fcfung absolvieren muss, gibt es keine solche Fachpr\u00fcfung. Man kann sich einfach darin bet\u00e4tigen, ohne Kenntnis von den Basics zu haben.\u00a0<\/p>\n<p>Wenn ein Athlet oder Trainer an einem Wettkampf zu mir kommt und fragt, hast du einen 430\/66kg Stab, wir haben nur einen 430\/63kg und der wurde beim letzten Sprung zu weich, dann ist meine erste Frage, welchen Flex hat euer 63kg Stab? Dann blicke ich in 90% der F\u00e4lle in fragende Gesichter \u2013 und der Athlet w\u00fcrde den n\u00e4chsten Versuch aus zeitlichen Gr\u00fcnden verpassen, wenn ich ihm die Gr\u00fcnde f\u00fcr meine Frage erkl\u00e4ren wollte. Deshalb auch dieser Beitrag. Je nachdem, welche Flex-Zahl der 63kg Stab des Athleten hat, k\u00f6nnte \u201emein\u201c 66kg Stab, den ich ihm geben m\u00f6chte, nur wenig h\u00e4rter sein oder eben sehr viel h\u00e4rter. Ich schaue mir deshalb an, wie gross die Differenz der Flex-Zahlen der beiden zu vergleichenden St\u00e4be ist. Ist sie kleiner als 0.4 ist sie f\u00fcr den Anf\u00e4nger und Fortgeschrittenen-Bereich irrelevant und ich empfehle ihm, mit &#8222;seinem&#8220; Stab, den er kennt, weiterzuspringen. . Der vermeintlich h\u00e4rtere 66kg Stab w\u00e4re f\u00fcr den Athleten praktisch gleich hart. Ist die Differenz beim Flex 0.8 bis 1.2 haben wir einen guten ordentlichen n\u00e4chst h\u00e4rteren Stab f\u00fcr den Athleten gefunden. Ist die Differenz gr\u00f6sser als 1.2 kann es gef\u00e4hrlich werden, weil dieser Stab deutlich h\u00e4rter ist als derjenige, den der Athlet zuletzt gesprungen ist.<\/p>\n<p><em>(Ich schneide hier einfach einmal die Frage der Verantwortlichkeit an. Wenn mal was passiert\u2026 Als Trainer die Anweisung zu erteilen, einen bestimmten Stab zu springen, ohne Kenntnis davon, wieviel h\u00e4rter der ist (weil man nur auf die Gewichtsangabe schaut), f\u00e4llt f\u00fcr mich als Juristen in den Bereich des \u00dcbernahmeverschuldens, sprich, wenn man eine Aufgabe \u00fcbernimmt oder eine Anweisung erteilt und dabei nicht die Kenntnisse hat, die Konsequenzen der Handlung korrekt einzusch\u00e4tzen. Insbesondere da in der Regel ein Autorit\u00e4tsgef\u00e4lle zwischen Trainer und Athlet besteht bzw. der Athlet sich auf einen \u201eStabhochtrainer\u201c verlassen k\u00f6nnen darf.)<\/em><\/p>\n<p><strong>Das bringt uns zur Frage, wie gross sollte der Unterschied der Flex-Zahl von Stab zu Stab sein?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Abstufung im Abstand von 1.0 macht f\u00fcr den Durschnittsstabspringer Sinn (Frauen wie M\u00e4nner). Man sollte schauen, dass seine Serie an St\u00e4ben, innerhalb einer L\u00e4nge, also z.B. alle 4.30m-St\u00e4be Flex-Zahlen mit einer Differenz von etwa 1.0 haben, z.B. 21.4, 20.4, 19.4, 18.4.<\/p>\n<p>Der Mathematiker wird einwenden, das geht ja nicht bis zur Flex-Zahl 0 so weiter, weil je n\u00e4her man sich der Flex-Zahl 0 n\u00e4hert, desto \u00fcberproportional h\u00e4rter wird ein Stab. Ein Stab mit der Durchbiegung 0,5 Zentimeter m\u00fcsste mit etwa 500kg angeschrieben werden und bei einer Durchbiegung von 0.0 Zentimeter mit \u201eunendlich\u201c. Richtig, deshalb gilt diese Faustregel nur f\u00fcr den mittleren Bereich mit Flex-Zahlen von 25.0 bis etwa 18.0. Bei h\u00e4rteren St\u00e4ben, also unter 18.0, sollte man kleinere Abstufungen machen, 0.8 bis 0.5. Bei weicheren St\u00e4ben, Bereich ab Flex-Zahl 24.0, kann man auch gr\u00f6ssere Abstufungen von 1.2, 1.3, 1.4 machen.<\/p>\n<p><strong>Beispiele<\/strong><\/p>\n<p>Als Beispiel aus meinem Verein, unsere Serie bei St\u00e4ben der L\u00e4nge 4.60m, aktuell: 21.1, 20.0, 18.9, 18.0, 16.7 (richtig, der letzte Schritt ist zu gross, deshalb springen wir dazwischen noch einen Stab mit Flex-Zahl 17.5 des LC Frauenfeld), dann 16.0 und 15.5. Welche Gewichtsangaben in Kilogramm haben diese St\u00e4be? Das ist eigentlich egal. Man muss sich nur daran gew\u00f6hnen, dass es egal ist. Die Gewichtsangabe dient nur der Orientierung f\u00fcr den Anf\u00e4nger. Wenn man 80kg ist, sollte man sich nicht an einen Stab h\u00e4ngen, wo 68kg draufsteht. Aber auch das ist nicht ganz richtig. Wenn der Mann mit 80kg den Stab 60cm vom Ende greift, dann wird der Stab nicht wegen zu viel Biegung brechen.<\/p>\n<p>Ein letztes Beispiel. In Winterthur haben wir einen 460\/82 Flex 15.5. In Z\u00fcrich hatte ich einen 460\/84 Flex 15.4. Das ist praktisch derselbe Stab. Das eine Mal steht 82kg drauf das andere Mal 84kg. Der Laie w\u00fcrde denken, wow, jetzt hab ich einen 84kg-Stab in den H\u00e4nden. Ja hat er, aber es ist irrelevant, wenn es darauf ankommt, wie viel h\u00e4rter dieser 84kg Stab ist als der n\u00e4chst weichere im Sortiment. Dabei <strong>kommt es nur und alleine auf die Flex-Zahl darauf an.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was ist nun von dieser Gewichtsangabe auf dem Stab zu halten?<\/strong><\/p>\n<p>Meines Erachtens hat sie nicht mehr als eine Orientierung. Ein Anf\u00e4nger kann sich auch umbringen, wenn er einfach einen 4.60m Stab bei 4.50m greift und der seinem Gewicht exakt entspricht. Brechen wird der Stab bei einem Anf\u00e4nger vielleicht nicht, aber vielleicht der eine oder andere Knochen, wenn der Athlet irgendwo vor oder neben der Matte landet.<\/p>\n<p>Ist der Springer etwas fortgeschrittener, ist diese Vorgabe, dass die Gewichtsangabe auf dem Stab gr\u00f6sser oder gleich dem Gewicht des Springers sein darf, eher zu tief angesetzt. W\u00fcrde ich, aktuell 72kg, einen Stab mit den Angaben 430\/73 springen und auf 4.20m greifen w\u00e4re das fahrl\u00e4ssig. Der Stab w\u00e4re viel zu weich. Wenn ich mit einem 460\/73 und einer Griffh\u00f6he von 4.50m springen w\u00fcrde, n\u00e4hern wir uns einem sauberen Bruch des Stabes und bei einem 490\/73 mit Maximalgriffh\u00f6he 4.80m w\u00fcrde ich definitiv das Feld mit 2 bis 3 k\u00fcrzeren Stabbruchteilen verlassen.<\/p>\n<p>Frauen und M\u00e4nner werden mit der gleichen Elle gemessen, was veranschaulicht, dass diese Gewichtsangabe nicht mehr als eine Orientierungshilfe ist. Eine Orientierungshilfe, mit der aber der Anf\u00e4nger \u00fcber- und der Profi unterfordert sind. Der Stabhochspringer im Mittelfeld verl\u00e4sst sich auf diese Zahlen obwohl er das nicht tun sollte, <strong>es kommt einzig auf den Flex an<\/strong>.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sind diese Gewichtsangaben nicht grob falsch (ich springe beispielsweise mit einem K\u00f6rpergewicht von 73kg meist St\u00e4be um 77-82kg, fr\u00fcher 86kg), aber wenn sich (Weltklasse-)Frauen mit 52kg K\u00f6rpergewicht an St\u00e4ben mit der Gewichtsangabe 75kg in die H\u00f6he schrauben, also schlappe 23kg \u00fcber ihrem K\u00f6rpergewicht, stellt man doch fest, dass die Gewichtsangabe auf den St\u00e4ben eben nicht mehr ist, als eine sehr grobe Orientierung.<\/p>\n<p><strong>Zum Sicherheitsaspekt<\/strong><\/p>\n<p>In den USA d\u00fcrfen Sch\u00fcler und Studenten nur solche St\u00e4be springen, welche mit einer Gewichtsangabe \u00fcber ihrem eigenen K\u00f6rpergewicht beschriftet sind. Das wird auch streng kontrolliert.\u00a0 Zus\u00e4tzlich gibt es bei St\u00e4ben aus den USA seit ein paar Jahren eine Markierung etwa 10cm vom oberen Ende, womit die f\u00fcr die USA maximal zul\u00e4ssige Griffh\u00f6he an jedem Stab angegeben wird. Man darf also keinen Stab springen, der eine tiefere Gewichtsangabe hat als man selbst wiegt, und man darf den nicht h\u00f6her greifen als diese Markierung, die sich z.B. bei einem Stab der L\u00e4nge 4.60 auf 4.50m findet. Wir stellen also fest, ein grosser Teil der Weltklasse d\u00fcrfte in den USA nicht als Student an den Start gehen. Denn sie greifen den Stab nur 2-5cm vom oberen Ende, mit gutem Grund, was euch n\u00e4her zu bringen aber einem weiteren Beitrag vorbehalten bleibt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nDie Gewichtsangabe auf dem Stab ist eine Zahl, die sich auf das K\u00f6rpergewicht bezieht, f\u00fcr Europ\u00e4er in Kilogramm und f\u00fcr Amerikaner in Pfund. 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