{"id":262,"date":"2019-03-19T13:31:42","date_gmt":"2019-03-19T13:31:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stabhoch.ch\/?page_id=262"},"modified":"2022-06-12T15:24:23","modified_gmt":"2022-06-12T15:24:23","slug":"die-schwarze-katze","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.stabhoch.ch\/?page_id=262","title":{"rendered":"Die \u00abschwarze Katze\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>oder weshalb \u00abgut gemeint\u00bb nicht gut ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Folgendes Gedankenspiel habe ich einem Buch entnommen. An dessen Titel kann ich mich leider nicht erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Prinzip funktioniert so: In einem Raum voller Menschen \u2013 ein Ap\u00e9ro, eine Weihnachtsfeier \u2013 wirft eine Person die Frage auf, ob jemand \u00abdie schwarze Katze gesehen habe.\u00bb Der Fragende weiss, dass es im Raum keine schwarze Katze hat und aufgrund der R\u00e4umlichkeiten ist auch einigermassen schnell feststellbar, dass keine schwarze Katze im Raum ist. Durch die blosse Erw\u00e4hnung ist sie aber dennoch ab sofort in den K\u00f6pfen der Anwesenden und immer wieder ist zu beobachten, wie jemand nach einer Katze Ausschau h\u00e4lt.  <br>Der Aberglaube ist, dass eine schwarze Katze Ungl\u00fcck bringt. Obwohl der Mensch eigentlich vom Verstand her weiss, dass keine Katze im Raum ist, will er sich dennoch immer wieder versichern, dass kein Unheil droht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo nichts ist &#8211; ist nichts &#8211; ausser in unseren K\u00f6pfen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der Hauptanwendungsfall des Prinzips der \u00abschwarzen Katze\u00bb im Sport ist es, leistungshemmende Faktoren zu erw\u00e4hnen (&#8222;verletz dich nicht&#8220;, &#8222;schau nicht nach hinten, ob deine Gegner kommen&#8220;). Dadurch wird einzig bewirkt, dass der Athlet dar\u00fcber nachdenkt und sich nicht mehr zu 100% auf das Wesentliche konzentriert, einfach seine Leistung zu bringen (just do your job).<\/p>\n\n\n\n<p>Beispielsweise der \u00abgut gemeinte\u00bb Satz: Sch\u00f6n, dass es dir gut l\u00e4uft, ich hoffe du bleibst <strong>verletzung<\/strong>sfrei.\u00bb \u2026. <\/p>\n\n\n\n<p>Danke sch\u00f6n, sagt der Psychologe (und der Trainer), jetzt h\u00e4lt sich der Athlet f\u00fcr verletzlich. Auch wenn er noch so guter Dinge war, vor dem Saisonstart, jetzt ist die blosse Verletzungsm\u00f6glichkeit ins Bewusstsein ger\u00fcckt. Ich will nicht behaupten, jemand verletzte sich deswegen. Aber wird der Athlet nun bei den letzten Trainingseinheiten vor der Saison noch etwas \u00e4ndern? Wird er sich schonen? Wird er \u00fcberzeugt an die Sache gehen oder h\u00f6rt er irgendwo eine Stimme, die ihm sagt: \u00abAchtung, verletz dich jetzt bloss nicht.\u00bb Derjenige der das dem Athleten sagte, hat ihm keinen Dienst erwiesen. &#8222;Gut gemeint&#8220; ist nicht immer gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Beispiele: <\/p>\n\n\n\n<p>\u00abVer\u00e4ndere jetzt <strong>nichts<\/strong>\nan deinem Anlauf.\u00bb <\/p>\n\n\n\n<p>\u00abMach jetzt <strong>nicht<\/strong>\nwieder den Fehler\u2026.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abSchau, dass du beim Sprung <strong>nicht<\/strong>\u2026..\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abJetzt <strong>nicht<\/strong>\nnerv\u00f6s werden\u2026..\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die schwarze Katze ist das Etwas, das nicht ist und \u00fcber das man erst nachzudenken beginnt, wenn es jemand erw\u00e4hnt. In der Folge lenkt es den Athleten vom Wesentlichen ab.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Beispiel: Wenn man dem Athleten zuruft: &#8222;Wenn du jetzt im ersten Versuch dr\u00fcberspringst, hast du eine Medaille auf sicher!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als w\u00e4re der Athlet effektiv so bl\u00f6d, sich beim ersten Versuch weniger M\u00fche zu geben. Aber jetzt wo er von dieser Medaille geh\u00f6rt hat, ist sein Fokus nicht mehr 100% auf den Bewegungsablauf gerichtet. Irgendetwas studiert jetzt daran herum, dass es gilt, unbedingt einen g\u00fcltigen Versuch zu machen. Den g\u00fcltigen Versuch garantiert aber die Fokussierung auf den Bewegungsablauf. Vom Wunsch nach einer Medaille alleine wird der Bewegungsablauf nicht besser.<\/p>\n\n\n\n<p>Weshalb ist das so? Mit Blick auf die Evolution des Menschen war es durchaus hilfreich, sich Gefahren und Risiken bewusst zu bleiben (\u00abLass dich nicht fressen\u00bb). Die warnende Stimme hatte ihren Sinn und hat ihn in den meisten Anwendungsbereichen auch heute noch, nur eben dann weniger, wenn es darum geht, sportliche H\u00f6chstleistung abzurufen. Das Ziel der Evolution war es, dass wir so lange am Leben blieben, bis wir uns fortgepflanzt hatten, daf\u00fcr mussten wir uns vor Gefahren h\u00fcten. Beim Sport ist diese Schutzfunktion weitestgehend hinderlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer das Prinzip der schwarzen Katze ber\u00fccksichtigen will, erw\u00e4hnt nicht Negatives, sondern formuliert ausschliesslich positiv und erw\u00e4hnt nichts, was ablenken k\u00f6nnte<\/strong> (wie vorstehend die Medaille).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn beispielsweise ein Athlet regelm\u00e4ssig im entscheidenden Moment, weil er dann nerv\u00f6s wird, das Schwungbein hangen l\u00e4sst, dann ist die richtige Anweisung die, welche den Bewegungsablauf stabilisiert. Das kann die positive Anweisung sein, das Schwungbein hochzureissen, es kann aber auch ein anderer Input sein, von dem Athlet und Trainer wissen, dass er automatisch dazu f\u00fchrt, dass die Schwungbeinbewegung richtig ausgef\u00fchrt wird (das sind die richtig guten Inputs). Damit kann ein Knackpunkt im Bewegungsablauf, der durch den Input \u00abnur jetzt <strong>nicht <\/strong>das Schwungbein hangen lassen\u00bb noch st\u00e4rker negativ verfestigt w\u00fcrde, entsch\u00e4rft und im besten Fall v\u00f6llig aufgehoben werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Trainer mag es manchmal kaum aushalten, wenn er einen Fehler seines Athleten antizipiert. Da muss man sich als Trainer richtig stark auf die Lippen beissen, um nicht S\u00e4tze zu sagen wie, eben:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abjetzt, einfach <strong>nicht<\/strong>\u2026.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abjetzt, nur <strong>nicht<\/strong>\u2026..\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Umgekehrt darf man aber zweierlei nicht vergessen. Der Athlet macht die Dinge nicht absichtlich falsch. Wird der Athlet konditioniert, im entscheidenden Moment Dinge \u00ab<strong>nicht falsch<\/strong>\u00bb zu machen, sch\u00fcrt dies Versagens-\u00c4ngste. Schafft er es nicht, hat er versagt. <\/p>\n\n\n\n<p>Geht es aber darum, Dinge \u00abrichtig\u00bb zu machen, ist der Fokus ein ganz anderer. Klappt es nicht, kann sich der Athlet nach dem Wettkampf sagen: Ok, ich habe es versucht, aber (heute) noch nicht geschafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ein wesentlicher Unterschied, der entweder eine positive oder eine negative Denkweise verankert. <\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Punkt: Lernen funktioniert \u00fcber Scheitern. Athleten m\u00fcssen Fehler machen, um lernen zu k\u00f6nnen. Die Karriere ohne Scheitern, die kann gar nicht erst erfunden werden, sie ist grunds\u00e4tzlich ausgeschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\noder weshalb \u00abgut gemeint\u00bb nicht gut ist. 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