{"id":656,"date":"2019-09-13T22:11:43","date_gmt":"2019-09-13T22:11:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stabhoch.ch\/?page_id=656"},"modified":"2020-10-02T11:58:18","modified_gmt":"2020-10-02T11:58:18","slug":"selbstaendiges-trainieren","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.stabhoch.ch\/?page_id=656","title":{"rendered":"Selbst\u00e4ndiges Trainieren"},"content":{"rendered":"<p>Prof. Karl A. Ericsson (<a href=\"http:\/\/www.stabhoch.ch\/?page_id=244\">Peak<\/a>) zeigt in seinen wissenschaftlichen Arbeiten auf, dass der Umfang des intensiven selbst\u00e4ndigen Lernens (deliberate practice) den Unterschied macht zwischen Durchschnitt, \u00fcberdurschnittlich und der Spitze in einer bestimmten F\u00e4higkeit (Musik, Sport, Beruf). In seinen Studien untersuchte er haupts\u00e4chlich Musiker der Berliner Philharmonie und deren Ausbildungsweg. Musiker \u00fcben \u00fcberweigend alleine an ihrem Instrument.<\/p>\n<p>Wie \u00fcbertr\u00e4gt man diese Erkenntnisse auf Stabhochsprung oder Sport ganz allgemein?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst kommt es auf die Sportart an. Ein Basketballspieler trifft den Korb besser, wenn er 5 Tage die Woche 3 Stunden W\u00fcrfe trainiert. Alleine. Dazu braucht er nicht st\u00e4ndig die Pr\u00e4senz eines Coaches.<\/p>\n<p>Aber Stabhochsprung?<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war meine Meinung, dass wenn der Coach 5x pro Woche auf dem Platz steht, ist es besser als wenn er 4x pro Woche auf dem Platz steht. Weil Stabhochsprung so komplex ist und jeder Fehler, der sich im Training einschleicht, nur mit einem Mehrfachen an Aufwand wieder zu korrigieren ist.<\/p>\n<p>Diese Meinung hat sich nicht ge\u00e4ndert, aber sie hat eine Erg\u00e4nzung erfahren. Hausaufgaben und alleiniges Training sind auch im Stabhochsprung m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Ich beginne meine Erkl\u00e4rung mit den <strong>Nachteilen der Anwesenheit eines Coaches<\/strong>:<\/p>\n<p>Der Athlet verl\u00e4sst sich auf den Trainer.Der Trainer sagt mir (Athlet), was zu tun ist, wie es zu tun ist, und ich mache einfach. Das ist f\u00fcr einfache stereotype Bewegungen richtig. Man automatisiert, was der Trainer einem beibringt. Dieser Automatismus funktioniert. Zum Beispiel erlernt man so einen \u00dcberschlag, einen Salto.<\/p>\n<p>Wenn es aber um komplexere Bewegungsabl\u00e4ufe geht, funktioniert dieses Prinzip nicht. Willkommen beim Stabhochsprung. Das Zusammenspiel von Anlaufgeschwindigkeit, Biegen eines Stabs, und Orientierung in der Luft ist so komplex, dass man nicht mit einfachen Anweisungen ans Ziel kommen kann. Man kann nicht einem Athleten gleich einem Roboter kleine Programme einpflanzen und irgendwann springt er dann 5.50m. Bei den meisten Athleten w\u00fcrde das alleine schon an der \u201eAngst\u201c scheitern. Der Mensch ist auf \u00dcberleben programmiert. Er f\u00fchrt nicht einfach Bewegungen aus, die ihm ein Trainer beibringt und die ihn in Lebensgefahr bringen.<\/p>\n<p>Jeder Stabhochspringer muss seinen eigenen Lernweg gehen, muss sich den Bewegungsablauf erarbeiten.<\/p>\n<p>Und hier kommt das Element des selbst\u00e4ndigen \u00dcbens ins Spiel.<\/p>\n<p>Der Athlet springt, weil es der Trainer so will. Manchmal kommen Athleten m\u00fcde von der Schule oder nicht motiviert ins Training, weil etwas in ihrem Leben nicht passt oder sie besch\u00e4ftigt. Dann springen sie in der Regel haupts\u00e4chlich, weil Springen auf dem Programm steht und ein Trainer da steht, der etwas erwartet. Diese Art des Lernens ist die schlechteste Form.<\/p>\n<p>So lernte ich franz\u00f6sisch in der Schule. Da steht jemand und will was von mir, was ich gerade nicht so richtig will, auch wenn\u2019s sch\u00f6n w\u00e4re, wenn ich das einfach k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Was w\u00fcrde der Athlet tun, wenn kein Trainer da w\u00e4re und Springen nicht auf dem Programm stehen w\u00fcrde? Nicht springen, richtig. Und vermutlich w\u00e4re das auch das Gescheiteste. Springen sollte wann immer m\u00f6glich haupts\u00e4chlich intrinsisch motiviert sein und nur zu einem Bruchteil extrinsisch.<\/p>\n<p>Was nicht schadet, ist wenn der Athlet einmal einen h\u00e4rteren Stab nimmt, weil der Trainer ihn dazu motiviert oder dass die Teamkollegen das Quentchen Motivation beisteuern, noch einen Sprung mehr zu machen. Diese Form der extrinsischen Motivation ist sehr wichtig. Im Kern muss aber der Athlet motiviert im Training erscheinen.<\/p>\n<p>Der Bogen zum selbst\u00e4ndigen Training ist nun schnell gespannt. Einem Athleten auftragen, ein technisches Detail zu trainieren, ohne dass der Trainer daneben steht. Zum Beispiel an der Einstichbewegung arbeiten bei Spr\u00fcngen in den Sand oder auf die Matte. Der Athlet soll selbst\u00e4ndig 15-20 Spr\u00fcnge machen und sich dabei filmen lassen.<\/p>\n<p>Diese Form des selbst\u00e4ndigen Trainings hat folgende <strong>positiven Effekte<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Athlet befasst sich mit seiner Bewegungsausf\u00fchrung<\/li>\n<li>Der Athlet sieht sich selbst Verantwortlich daf\u00fcr, einen Teil der Aufgabe selbst zu l\u00f6sen<\/li>\n<li>Der Athlet muss sich selbst pr\u00fcfen und korrigieren<\/li>\n<li>Der Athlet kann 0% auf den Trainer abschieben, er kann sich auf niemand anderen verlassen.<\/li>\n<li>Er muss selbst motiviert sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wichtig, dass diese Art der Aufgabenstellung funktioniert ist, dass die Aufgabe <strong>machbar<\/strong> ist. Woran der Athlet selbst\u00e4ndig arbeiten soll, muss f\u00fcr ihn <strong>erkennbar<\/strong> sein, d.h. er muss auf seinem Handy auf dem Video von sich selbst erkennen k\u00f6nnen, ob er es richtig oder falsch macht und er muss vom Trainer wissen, was er tun muss, damit es richtig wird. Wenn diese Parameter gegeben sind, spricht nichts gegen selbst\u00e4ndiges Training. Im Gegenteil die Selbstwirksamkeit und die Kompetenz des Athleten erh\u00f6ht sich und man hat den netten Nebeneffekt, dass sich die Spreu rascher vom Weizen trennt, sprich die intrinsisch Motivierten rascher weiter kommen und die weniger motivierten merken, dass wenn der Trainer nicht ist, ihnen selbst gar nicht so sehr am Training liegt und sie lieber was anderes machen.<\/p>\n<p>Das selbst\u00e4ndige Lernen hat einen weiteren Anwendungsbereich, die Verfestigung. Ein Basketballspieler kann seine Wurfpr\u00e4zision, seine Trefferquote bestens alleine trainieren. Da steht kein Trainer daneben und sagt, das n\u00e4chste mal etwas weiter links, das n\u00e4chste mal etwas h\u00f6her, dann triffst du. Oder bei der Prazision bei einem Salto. Die x-fache Wiederholung bis ein Turnelement &#8222;im Schlaf&#8220; funktioniert, das kann der Athlet alleine bewerkstelligen.<\/p>\n<p>Hier haben wir Stabhochspringer Nachholbedarf. Eine Latte auflegen und eine Bewegung wie ein chinesischer Kunstturner einfach 20x wiederholen. Nicht mit dem Ziel etwas zu verbessern, sondern einfach 20x eine H\u00f6he zu springen, z.B. 20cm unter der Bestleistung, daf\u00fcr ohne Wenn und Aber. Denn das bringt die Stabilit\u00e4t in den Bewegungsablauf, die den Freiheitsgrad zul\u00e4sst, um am Wettkampf \u00fcber sich hinauszuwachsen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nProf. Karl A. 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